Korsika Tag 5 – Besteigung des Monte Cinto


Für Donnerstag oder Freitag stand die Besteigung des Monte Cinto auf dem Programm, den höchsten Gipfel von Korsika sollte auch gemeistert werden, auch wenn 1750 zu bewältigende Höhenmeter sich schon stramm anhörten. Da meine Nacht eher unruhig war, habe ich so viertel vor sechs aus dem Fenster geschaut und mir gesagt, das Wetter passt heute also ab auf den Berg. Zuerst schnell duschen und alles einpacken, zu essen und trinken, wobei 3 Liter Wasser genügen sollten. Dann die Fahrt nach Lozzi, das ca. 30 Kilometer entfernt durch die Schlucht die wir Sonntags schon befahren hatten, angefahren wird. Verkehr war um kurz nach sechs noch keinen und so war ich auch in ca. 30 Minuten beim Campingplatz in Lozzi. Ich stellte erst das Auto ab, zog die Wanderschuhe an und dachte dann, eigentlich sieht der Weg der eigentlich geländegängigen Fahrzeugen vorbehalten war doch ganz gut aus und ein kleiner Smart ist dort auch wie wild durchgefahren. Ich also hinters Steuer und erst mal den Weg der zur verfallenen Bar l’Astradella führt, ein gutes Stück hoch. Die Straße wurde schlechter aber vom Smart keine Spur mehr. Egal, ich sagte mir ich laufe den kompletten Weg, sonst ist es ja geschummelt und drehte um. In dem Moment kam mir auch schon so ein anderer Partner sowie ein Ford Transit entgegen und fuhren schmerzfrei an mir vorbei. Ich hingegen stellte das Auto wieder unten ab und lief los. Der Weg nahm immer Abkürzungen und so war der Weg nur ca. 7,5 Kilometer bis zum zweiten Parkplatz und nicht 15 Kilometer, wie über die Straße. Ich ging flott und so wirklich merkte ich die gut 600 Höhenmeter bis zum Refuge de l’Ercu nicht wirklich. Unterwegs vorbei an einer Kapelle wobei man dort nur den Umriss noch erkennen konnte und ein Schild, wie diese mal ausgesehen haben muss. An der alten Snack-Bar sah ich dann den Smart und noch drei andere Autos und ich zog mir erst mal einen Apfel hinein, da der Hunger kam und der Magen noch leer war so ohne Frühstück. Von dort aus war es nur ca. 30 Minuten bis zum Refuge de l’Ercu. Dort war eine Gruppe sich am fertig machen aber sonst war nicht viel los in der Selbstversorgerhütte. Ich lief sofort weiter und es ging erst leicht ansteigend zwischen Büschen auf Geröll den mit Steinmännchen markierten Weg hinauf. Dann wurde der Weg aber steiler und lief teils auf Geröll, teils auf Felsen nach oben und je nachdem welchen Weg man wählte, fühlte man sich wie auf einem Klettersteig. Ich nahm meistens die Klettertour, die war weniger Kräftezehrend und ging auch wesentlich schneller, so das ich auch mal hin und wieder ein Paar überholen konnte. Der Weg zog sich und schon bei 2300 Meter Höhe sagte ich mir, dass schaffe ich nie. Aber durch die Kletterei ging es doch und mein GPS sagte mir, dass ich doch noch gut voran komme. Von der schon am Refuge de l’Ercu gut gemachte Stunde, blieben aber bei dem Tempo immer weniger von Rest. Egal die anderen waren auch nicht schneller und ich hatte Zeit, Isabelle beschäftigt sich schon und wollte heute eh ruhen. Die letzten zweihundert Meter waren echt schwer, mit wandern hatte das nichts mehr zu tun, es ging fast nur noch auf allen Vieren voran. Kurz bevor ich dachte ich sei da, sah man in einiger Entfernung einige Leute hoch laufen und es war also immer noch ein gutes Stück das zu bewältigen war. Dann aber plötzlich hinter der nächsten Kuppe sah man viele Leute an einem kleinen Gipfelkreuz und ich hatte es geschafft. Hier war ein kleines Plateau mit einer Säule und einem Fundament von einem Häuschen was hier mal gestanden haben muss. Ich ging über die letzten Felsen zum Gipfelkreuz hoch und genoss von dort mit vielen anderen den Triumph und die tolle Aussicht. Dann unten bei der Säule wollte ich mal mit Isabelle telefonieren, ab heute gab es ja kein Roaming mehr in der EU, aber die Verbindung war so schlecht das es nicht klappte. Ich versuchte noch den Platz zu wechseln aber auch das brachte nix. Dabei vergaß ich mein schönes Kopf-Bufftuch und versuchte im Anschluss es wieder zwischen den Felsen zu finden. Da das Tuch aber die gleiche Farbe hatte wie der Fels, wollte ich schon aufgeben. Als ich gehen wollte, sah ich das Fundament und etwas dahinter den Schotter und ich erinnerte mich daran, dass ich dort hinunter gegangen bin und wenig später war das Buff-Tuch wieder meins 🙂 . Nun aber erst mal wieder den Berg hinunter und das was ich schon befürchtet hatte, kam auch so. Der Weg nach unten war so voller Geröll, so dass es nur im Schneckentempo nach unten ging. Ich rutsche mehr als ich lief und lege mich dabei auch ein paar mal auf die Schnauze 🙁 . Die anderen hatten aber die gleichen Probleme und erst recht die Frauen, die mit den Männern unterwegs waren. Ich dachte nur, gut das Isabelle nicht dabei war, die hätte mich hier sonst kalt gemacht 😉 . Ich suchte den Weg und verlief mich öfters und musste immer wieder die Steinmännchen und Markierungen suchen. Gefühlt brauchte ich ewig aber keiner überholte mich, so dass ich wohl gut in der Zeit war. Selbst die letzten Meter zum Refuge de l’Ercu waren nun schwer zu gehen und alles tat mir weh. Ich ging weiter zu dem Bach, der dort war und erfrischte mich etwas mit meinem wiedergefundenen Tuch. Da kam ein Paar das vorbei wollte und die sahen so aus, als ob Sie gerade losgelaufen waren aber Sie waren auch schon auf dem Rückweg. Diese machten dann aber auch eine Pause am Bach, während ich weiter ging. Am Parkplatz stand ein österreichisches Auto die wohl auch gleich runter wollten und ich sagte zu mir, wenn die an mir vorbei fahren und fragen ob ich mitfahren möchte, dann sage ich klar, aber den Daumen raus um Anhalter zu spielen, nee, dass mache ich nicht, dann laufe ich die 7,5 Kilometer auf dem Zahnfleisch 😉 . Das Auto kam auch wenig später und die paar Leute dort drin lächelten mich auch freundlich, ich dachte nur typisch, sind halt wie die Deutschen 🙂 . Ich ging weiter und nahm die Wege über die Wiesen. Wieder auf der Straße laufend kam ein Auto und es hielt an und das Paar im Wagen fragte mich, ob ich mit wollte. Toll, es war das Paar vom Bach, das ich dort vor einiger Zeit sah. Geil, ich hinten im fast gleichen Wagen den wir hatten aber halt ohne Sitze hinten drin, saß ich auf der Ladefläche. Die Konversation war spärlich, auch weil ich gar nix verstand, die sprachen korsisch. Die beiden waren also Korsen und sagen sie seien in 2 Stunden dort hoch, ich dachte mal aber nur für einen Weg, weil hoch und runter wäre das doch nicht zu schaffen. Die quatschten in Ihrer Sprache und ich verstand noch weniger als ich bei dem französischen schon auf der Arbeit verstand, aber egal 🙂 . Ich wurde gut durchgeschüttelt und nach ca. 15 Minuten waren wir dann am Campingplatz und ich bedankte mich mit einem „Merci beaucoup“. Dann ins Auto, erst mal was trinken und Sandalen an. Die Fahrt zurück ging flott, weil ich mich diesmal an ein Auto der Gendarmerie dran hängte und alle Touristen uns vorbei ließen. Im Appartement angekommen versorgte mich Isabelle ganz liebevoll und wollte auch gleich was zu Essen aufdecken, ich nur Non, Non, erst mal kurz nach dem duschen hinlegen. Nach etwas ruhen dann noch den Rest Pizza essen und auch sonst hatte Isabelle alles schön vorbereitet. Bis jetzt hatte ich nur 2 Äpfel und 3 Aprikosen gegessen aber richtig Hunger hatte ich auch keinen. Nun aßen wir etwas, tranken etwas Rose und Cidre und weil ich soooo fertig war, sind wir gegen halb acht ins Bett und haben zusammen einen Film geschaut, den ich sogar noch ganz schaffte :-).

volle Distanz: 30548 m
Maximale Höhe: 2712 m
Minimale Höhe: 1071 m
Gesamtanstieg: 6059 m
Gesamtabstieg: -6116 m
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